Daily Archives: July 2, 2014

Transkription der Verlesung der Vereinbarung mit dem Bezirksamt

Nicht alle Flüchtlinge haben diese Vereinbarung unterschrieben. Dennoch hat die Polizei jetzt die Straßen rund um die Schule freigemacht, die Schule selbst ist jedoch nach wie vor nicht zugänglich. Aktuelle Infos bitte bei twitter.

#00:11:14-7# (Frauenstimme:) Also der… die Bitte ist, dass jetzt vorgelesen wird, was Teil dieses Papiers ist.

(Zw.ruf:) Bitte lauter, man hört fast nichts!

Die Bitte ist, dass jetzt vorgelesen wird, was Teil dieses Papiers ist. (Zw.bemerkung: Gut. Zw.bemerkung: Super!)

Ich les das jetyt einfach vor. Demands. Das ist auf Engliusch: We go.. we will go on with our protest on the roof in the school building. Therefor we want a list of people handed out later to be able to go in and out freely during the construction work. This implies that the people living here will get a legislation of the occupation with a polizeiliche Anmeldung.

#00:12:09-4# We will choose together which projects will be allowed entering the school. We will occupy the roof until all the refugees get a residence permit. We require a written guarantee that we will not be evicted from this house until our demands are fulflilled. The district is allowed to proceed the construct- in order to construct, under the condition that the police will not evict us. the files of the refugees of the school shall be transferred to berlin. the district will offer support in this concern.

#00:13:03-4# We will go on with our negotiation with the Senate and the District. The District will offer support in the concern to negotiate with the Senate. The people staying here will get the same conditions as the ones who left. Money for accommodation, food and all other things. The people will get social benefits including health insurance according to Asylbewerberleistungsgesetz. The cash money will either be paid by the Landesamt für Gesundheit und Soziales or the District. The District will ensure that the money will be paid all by the Landesamt for Gesundheit und Soziales or the District. The District will compensate the cost of the house, gas, electricity et cetera.

#00:14:04-6# Dann gibt es die, eine weitere Vereinbarung… Vereinbarung zwischen den Flüchtlingen der Gerhart-Hauptmann-Schule in Kreuzberg und dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Beide Seiten einigen sich grundsätzlich auf die 10 Punkte des Vorschlages der Flüchtlinge vom 1. Juli 2014 für die Nutzung der Gerhart-Hauptmann-Schule durch die Flüchtlinge. Einzelheiten werden später geregelt. Die Flüchtlinge wohnen künftig entsprechend Anlage. Sie werden die Feuerfluchtwege in der Schule freimachen. Eine oder zwei Vertrauenspersonen des Bezirksamt betreten dann das Haus und überzeugen sich, dass die Zugänge frei sind. Die Schule wird renoviert. Ab Donnerstag den 3. Juli beginnen in den unteren Etagen der Schule Entrümpelungs- und Bauarbeiten. zunächst werden die Fenster im Parterre mit Platten gesichert. Für den weiteren Zugang der Flüchtlinge, die in der Schule sind, werden ihnen neue Ausweise ausgestellt, die sie berechtigen die Schule zu verlassen und zu wieder betreten.

#00:15:11-1# Die Kontrolle am Eingang wird zunächst dutch Personal wines Sicherheitsdienstes gesichert, das soweit die nötig, zur Vermeidung des Zugangs Dritter von Polizeibeamten unterstützt warden können. Der Bezirk erklärt keine Anträge für fine strafrechtliche oder gerichtliche Verfolgung der Flüchtlinge während- wegen hires Aufenthaltsstatus in der Schuhe zu stellen (Zw.bemerkung: bisschen latter bitte.) Dann gift es notch fine weitere Anlage, das betrifft den Wohnbereich, living room. The people can stay and live in the south wing, first floor, second floor, third floor. They also will live in the second floor under the Aula. They will use the Aula. Project rooms will be a part. The Pavillon will be used for project rooms. Toilets will be installed in the first and second floor of the south wing, even showers.

#00:16:12-5# (Zw.frage:) Haben das denn jetzt alle unterschrieben auch? (Antwort aus dem Publikum: ) Die machen das jetzt. (Zw.frage:) für wie viele Menschen… (Mann: Lassen Sie das jetzt mit der Fragerei, Mann.) (Kamerageräusche, Gespräche)

Statement zum Stand der Verhandlungen von einem Geflüchteten vom Dach, 2. Juli, 21 Uhr

Es kursieren Gerüchte darüber, dass es eine “Einigung” zwischen den Geflüchteten in der Schule und dem Bezirk gibt. Wir haben mit einer Person vom Dach gesprochen. Sie stellte sehr klar, dass es bisher keine Einigung mit dem Bezirk gibt. Die Vereinbarung, die bisher das Ergebnis der Verhandlungen mit dem Bezirk ist, berücksichtigt zentrale Forderungen der Geflüchteten nicht, unter anderem die Forderung nach Bleiberecht. Die Geflüchteten in der Ohlauer Schule werden die Vereinbarung daher nicht unterschreiben (Stand: 2. Juli 2014, 21 Uhr).

Der Geflüchtete kritisierte das Verhalten von Polizei und Politiker*innen: “I come from Sudan, and I am not afraid of police. We feel ashamed for racist police and politicians.”

Pressemitteilung der Flüchtlinge aus der Gerhard-Hauptmann-Schule, 02.07.2014

 +++english below+++

Seit neun Tagen setzen uns die Polizei und der Bezirk psychologisch massiv unter Druck, indem sie die Räumung der Schule immer wieder ankündigen und dann wieder zurückziehen. Während dieser gesamten Zeit harren wir auf dem Dach aus, werden von teilweise über 1700 PolizistInnen aus allen Bundesländern sowie der Bundespolizei umzingelt und bereiten uns emotional darauf vor, unsere FreundInnen jederzeit sterben zu sehen.

Am 01. Juli haben wir einen Twitter der Polizei gelesen, in der diese mitgeteilt hat, dass sie sich bis um 12 Uhr zurück gezogen haben werden, wenn nicht vom Bezirk der Befehl zur Räumung kommt.

Aufgrund dieser Informationen fand ein Gespräch mit unseren AnwältInnen statt, wie die Schule in Zukunft organisiert werden könnte. Erste Ideen wurden besprochen (Lösungsstrategien bezüglich Drogen und Sicherheit sowie zukünftige Projekte, die in der Schule realisiert werden könnten). Auch wurde über die Weiterführung des Protestkampfs gesprochen.

Aus den Ergebnissen dieses Gesprächs haben wir in einem zweiseitigen Schreiben 10  Forderungen formuliert, die in schriftlicher Form von unseren AnwältInnen an Herrn Panhoff übergeben wurden. Unsere Voraussetzung, um über diese Forderungen in Verhandlung zu treten, war der Abzug der Polizei. Nach Information unserer AnwältInnen hat Herr Panhoff  es allerdings abgelehnt über diese Forderungen zu sprechen. Er erteilte stattdessen der Polizei die Entscheidung zur Räumung, deren letzendliche Ausführung nur noch durch ihn freigegeben werden müsse. Als unsere Anwältinnen mit der Absage von Herrn Panhoff bereits zurück in der Schule waren, rief dieser an und teilte mit, dass er doch bereit sei, über die Forderungen zu verhandeln.

Wir haben nochmals deutlich gemacht, dass wir nur dann in Verhandlungen treten, wenn die Polizei abzieht und die Räumung beendet wird. Zwischenzeitlich haben wir neben den bereits 10 existierenden Forderungen eine weitere Forderung aufgestellt: Sowohl wir als auch unsere UnterstützerInnen, die sich mit uns hier in der Schule befinden, sollen nach Findung einer für uns akzeptablen Lösung nicht juristisch belangt werden. In einer mündlichen Zusage sicherte Herr Panhoff uns zu, dass diese Forderung keinen Streitpunkt darstellen würde.

Bezüglich aller Forderungen haben wir von Herrn Ströbele, der vermittelnd für Herrn Panhoff auftritt, in den späten Abendstunden des 01. Juli eine Email erhalten. Darin hat er mitgeteilt, dass über die einzelnen Forderungen verhandelt werden kann, wenn folgende Vereinbarung geschlossen wird: Das Räumungsersuchen würde zurückgezogen werden, wenn wir das Dach und die Fluchtwege freiräumen. Uns wurde bis heute, den 2. Juli 2014 Zeit gegeben, um dies umzusetzen. Ob wir diese Auflage tatsächlich nachkommen, würde von zwei MitarbeiterInnen des Bezirksamt überprüft werden.

Daran anschließend würden die Renovierungsarbeiten beginnen, während derer wir laut Ströbele in der Schule bleiben dürften, sofern wir uns auf die 3. Etage beschränken. Die Bauarbeiten würden in der ersten Etage beginnen, wozu die Fenster verriegelt werden müssten. Der Zugang zur Schule würde während dieses Zeitraums von einer neuen Security-Firma geregelt werden, die von der Polizei unterstützt werden könnte. Es wurde sich zu unseren aufenthaltsrechtlichen Forderungen ebenso wenig geäußert wie zu den anderen Punkten, die wir gefordert haben.

Das Ignorieren unserer Forderungen seitens der politisch Verantwortlichen wird so weiter fortgesetzt und damit der Eindruck bestätigt, dass kein ernsthaftes Interesse daran besteht, für uns zufrieden stellende Lösungen zu finden. Vielmehr besteht ihre Strategie weitestgehend darin, uns – wie oben beschrieben – unter permanenten psychologischen Druck zu setzen. Unser Vertrauen gegenüber Herrn Henkel, Frau Herrmann und Herrn Panhoff, die wir im schlimmsten Fall für unseren beziehungsweise den Tod unserer FreundInnen verantwortlich machen würden, ist daher bereits sehr gesunken.  Nichtsdestotrotz haben wir den Eindruck, dass es die Möglichkeit gibt, die Situation auf dem Verhandlungsweg zu lösen, auch wenn dieser problematisch zu sein scheint. Wir bedauern sehr, dass die PolitikerInnen zwar untereinander in Gesprächen sind und in letztere Bewegung zu kommen scheint, wir aber als Betroffene in diese nicht einbezogen werden. Von unserer Seite gibt es die Möglichkeit, unter den bereits bekannten Nummern unsere AnwältInnen, Berenice Böhlo und Ralph Monneck, die zugleich unsere VerhandlungsführerInnen sind, zu kontaktieren.

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Press release from the roof, July 2, English

For nine days the police and the Bezirksamt (district council) have been massively pressurizing us psychologically by repeatedly announcing and withdrawing the eviction notice. While this is happening we are holding out on the roof, surrounded by more than 1700 police officers from many federal states as well as the German Federal Police Force, and emotionally preparing ourselves to see our friends die at any moment.

On July 1st we read on the police twitter account that they would withdraw by 12pm, if they did not get an eviction order from the Bezirksamt officials.

In light of this information a discussion with our lawyers took place about how the school could be organized in the future. Initial ideas were discussed (strategies regarding any drugs and safety issues, as well as future projects, which could be realized in the school). How the protest struggle could be carried on was also discussed.

From the outcome of this discussion we formulated 10 demands in a two-sided text, a written version of which was handed over to Mr Panhoff by our lawyers. Our pre-requirement in order to enter into negotiations was that the police withdraw. According to the information from our lawyers, Mr Panhoff declined to discuss these demands. Instead, he handed over the eviction order decision to the police, whereas the ultimate execution has to be approved by him. After our lawyers had already returned to the school with Mr Panhoff’s decline, he called, informing us that he would agree to negotiate about the demands.

Once again we made clear that we would only enter into negotiations if the police withdrew and the eviction was terminated. Meanwhile we have made an additional demand to the 10 already existing demands: We, as well as our supporters who are with us in the school, shall not be prosecuted after a solution is found which is acceptable for all of us. In an oral commitment Mr Panhoff assured us that this demand would not constitute an issue of dispute.

Regarding all demands, we received an Email in the late evening hours of July 1st from Mr Ströbele, who is mediating for Mr Panhoff; in which he informed us that it would possible to negotiate over the individual demands, if the following agreement is met: The eviction order can be withdrawn, if we clear the roof and the emergency exits. We were given time until today, July 2nd 2014, to realize this. Whether we actually comply with this condition, would be verified by staff from the Bezirksamt.

Afterward, the renovation works would begin; during these we are supposed to be allowed to stay in the school according to Mr Ströbele, provided that we restrict ourselves to the 3rd floor. The renovations would start on the first floor, whereby the windows would have to be secured. The entrance to the school would be regulated by a new security firm which could be supported by the police. Our demands regarding our legal residence permit issues have not been addressed and neither have the other demands we made.

The people politically responsible continue to ignore our demands which reaffirms the impression that there is no serious interest in finding an acceptable solution for us. Furthermore, their strategy consists of – as we have described above – putting us under permanent psychological pressure. Our belief in Mr Henkel, Ms Hermann and Mr Panhoff has drastically declined, and in the worst case we would hold them responsible for our deaths or the deaths of our friends. Nevertheless, we have the impression that it is possible to solve the situation through negotiations, even if these have appeared to be problematic. We greatly regret that the politicians are in talks with one another and these seem to be progressing, however, we, as those affected, are not included in these. From our side there is the possibility to contact our lawyers Berenice Böhlo and Ralph Monneck, who also act as our negotiators – through previously mentioned numbers.

Henkel bei Radio Eins

http://www.radioeins.de/programm/sendungen/der_schoene_morgen/_/muss-die-gerhart-hauptmann-schule-geraeumt-werden-.html

Englisch folgt.

radioeins-Interview mit CDU-Innensenator Frank Henkel. 2.7.2014.

radioeins-Moderator: Guten Morgen, Herr Henkel.

Frank Henkel: Guten Morgen.

Guten Morgen. Wann wird die Hauptmann-Schule geräumt?

Henkel: Zu einem Zeitpunkt kann und werde ich jetzt nichts sagen, ich empfinde es allerdings als einen Fortschritt, dass wenigstens Herr Panhoff, also aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, sich seit mehreren Monaten, dessen was sich da abgespielt hat entgegenstellt und jetzt ein entsprechendes Räumungsersuchen gestellt hat.

Wenn sie sagen, dass sie zu einem Zeitpunkt nichts sagen werden, geräumt wird aber definitiv?

Henkel: Na im Augenblick kann ich zu einem Zeitpunkt nichts sagen, weil wir haben das Räumungsersuchen seit gestern Mittag, also die Polizei hat es, und die Polizei wird jetzt das weitere Vorgehen sehr sorgfältig prüfen und vor allem sich auch unter Einsatztaktischen Gesichtspunkten ganz eng mit dem Auftraggeber, also wenn sie so wollen mit dem zuständigen Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg abstimmen.

Dieses Ersuchen, sagen sie, kommt vom grünen Bezirksstadtrat und nicht von Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann, ist das egal oder wichtig für die Prüfung?

Henkel: Na das war Gegenstand natürlich, wenn ich das richtig erinnere, auch einer ersten juristischen Prüfung, wo man in der Tat ja zugrunde legen musste, dass das Bezirksamt als Kollegialorgan, reicht es da wenn es ein Stadtrat macht, aber die erste juristische Prüfung hat ergeben, das reicht aus, noch zumal Herr Panhoff ja noch der zuständige Stadtrat ist und ich gehe davon aus, dass diese erste juristische Prüfung auch Bestand haben wird.

Die Flüchtlinge hatten ja auch , um ein direktes Gespräch mit Ihnen gebeten. Warum sind Sie dieser Bitte nicht nachgekommen?

Henkel: Ja, ich habe ja seitens des Senats all das, was wir in der Flüchtlingsproblematik zu verhandeln hatten getan, es gab das Einigungspapier meiner Kollegin Kolat, das galt für die Flüchtlinge vom Oranienplatz und auch für die Besetzer der Gerhardt-Hauptmann-Schule, insofern habe ich meinen Teil geleistet und ich habe immer deutlich gemacht, dass es darüber hinaus nichts gibt, wo ich einen Spielraum sehe.

DIe Situation jetzt ist verfahren, Ihnen und dem Senat wird jetzt vorgeworfen nicht früher eingegriffen zu haben. Warum haben Sie da so lange zugeschaut?

Henkel: Na dieser Vorwurf ist wirklich zurückzuweisen. Wenn wir uns einfach mal die Geschichte anschauen, es war der Bezirksbürgermeister, der grüne Bezirksbürgermeister Schulz, der vor langer langer Zeit mal gesagt hat “Ihr könnt kommen und hier bleiben.”, und die Gerhardt-Hauptmann-Schule ist nun eine Immobilie des Bezirks, das heisst nur der Bezirk, nur der Bezirk kann die Räumung anordnen und so ist es ja auch nun geschehen. Also dem Senat jetzt hier eine Verantwortung, eine Mitverantwortung zu überreichen, halte ich für völlig falsch, noch zumal wir ja Verantwortung gezeigt haben und zwar zu einem Punkt,
wo wir gesagt haben, der Bezirk ist offenbar nicht in der Lage seiner Verantwortung gerecht zu werden und so kam es ja auch zu diesem Einigungspapier, dass ich bereits erwähnt habe.

Das heisst auch, Sie fordern, wie auch die deutsche Polizeigewerkschaft, den Rücktritt von Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann?

Henkel: Welche personellen Konsequenzen gezogen wird [sic!] und von wem, das muss Frau Herrmann letztlich selbst entscheiden, das ist in der Tat ihre politische Verantwortung, die hat sie bislan, aus meiner Sicht, nicht hinlänglich wahrgenommen. Sie trägt für die Zustände allein die Verantwortung.

Die Lage ist jetzt sehr angespannt. Wie ernst nehmen sie die Drohung, die wir eben auch nochmals gehört haben, dass die Flüchtlinge bei einer Räumung vom Dach stürzen wollen?

Henkel: Man muss sowas immer ernst nehmen, und das tut auch die Polizei, und ich bin sicher, dass die Polizei wie immer mit der gebotenen Sensibilität und auch Sorgfalt vorgeht, das hat nie einen Zweifel daran gelassen, dass eine Räumung nur das letzte Mittel sein kann. Aber an der besetzten Gerhardt-Hauptmann-Schule haben sich eben auch Missstände verfestigt, die unhaltbar sind. Und ich bin überzeugt, der Gefahr, die sich daraus ergeben kann, ist sich sowohl das Bezirksamt bewusst, und ist sich aber auch die Polizei bewusst.

Berlins CDU-Innensenator Frank Henkel über eine mögliche Räumung der besetzten Gerhard-Hauptmann-Schule in Kreuzberg. Vielen Danke, Herr Henkel.

Henkel: Sehr gern.

Interview mit Baustadtrat Panhoff im Inforadio

Link

 

Wer Zeit hat es zu transripieren bitte im Kommentar posten vielen dank !

 

Dahl:

Jetzt wird geräumt. Ach ne. Doch nicht. Oder jetzt doch? Das war gestern ein ziemlich verwirrender Tag, rund um die besetzte Gerhart-Hauptmann-Schule in Berlin-Kreuzberg. Fest steht: die Polizei hat das Schulgebäude, in de[m] noch immer rund 40 Flüchtlinge ausharren, bis heute Morgen 8:26 Uhr nicht geräumt.
Gestern Mittag hat der Baustadtrat des Bezirks, der Grünen-Politiker Hans Panhoff, ein Räumungsersuchen an die Berliner Polizei gestellt, die grüne Bezirksbürgermeisterin ist gegen eine Räumung. Nur: Herr Panhoff trägt als Baustadtrat die Verantwortung für die Schule und die Zustände darin. Die Polizei hat sein Ersuchen akzeptiert und er sagt: „Ich tue das aus dem Mut der Verzweiflung, weil ich nicht sehe, wie es anders gehen soll.“. Jetzt ist er am Telefon.
Guten Morgen, Herr Panhoff.

Panhoff:

Ja, guten Morgen.

Dahl:

Was lässt Sie so verzweifeln, dass Sie sagen „Jetzt geht nur noch die Räumung.“ ?

Panhoff:

Es hat sich da alles dermaßen ineinander verhakt, dass man da jetzt einfach mal entschieden rangehen muss und Entscheidungen treffen muss, aber auch Entscheidungen herbeiführen muss und dieses, ja, ewige Hingeziehe und Gespräche oder doch keine Gespräche und bewegt man sich aufeinander zu oder stellt man erstmal unerfüllbare Vorbedingungen, das geht so nicht weiter und deswegen hab ich gesagt: also wir können den Polizeieinsatz ja jetzt nicht über Wochen und Monate vorhaben, sondern wir müssen zu einem Ergebnis kommen. Und ich hab das gesagt, gestern schon, wenn man verhandeln möchte, muss eben auch klar sein, dass es da zwei Positionen gibt, von denen aus man sich annähert und ich hab jetzt unsere Position als Bezirk eben sehr deutlich gemacht, mit der Androhung der Räumung, hab damit aber immer verbunden zu sagen, wir können noch verhandeln, wir können noch zu einem Ergebnis kommen, aber diese Position ist jetzt geklärt und ich übernehme dafür die Verantwortung und das kann ich eben auch nicht mit x Gremien- und Parteiengesprächen und sonst wie machen, weil das Entscheidungswege sind, die viel zu lange dauern, da muss jetzt eben auch mal jemand die Möglichkeit haben, kurzfristig und in Verantwortung zu entscheiden. Und ich habe mich dazu entschlossen und deswegen die Sache auf meine Kappe genommen.

Dahl:

Mhm. Und was heißt das? Was wäre denn eine Position wo Sie sagen: gut, dann verhandeln wir?
Weil Sie sagen, mit diesen ganzen extremen Positionen, das zieht sich in die Länge, das mach ich nicht mehr mit. Was wäre der Punkt wo Sie sagen: jetzt können wir nochmal verhandeln?

Panhoff:

Also, die Idee ursprünglich war immer schon gewesen, sie ist seit Ende April bekannt, dass wir einem Teil der Leute in der Schule, ungefähr in der Größenordnung derer, die da jetzt drin sind, wir haben gesagt 35, im Moment haben wir ungefähr irgendwie 35 bis 40, dass die den Pavillon haben können, auf dem Gelände, also dieser Flachbau vorne, auch social center genannt. Gut, darauf wollen die sich nicht einlassen, die wollen in der Schule bleiben, da bin ich auch bereit dazu, das zu tun, solange sichergestellt ist, dass A) es ein abgrenzbarer Bereich ist und B) ein neuer Zuzug, ein wilder Zuzug von der Straße verhindert wird. Da treffen sich interessanterweise die beiden Seiten, weil die Verbliebenen in der Schule wollen auch keinen wilden Zuzug. Und wir sind jetzt dabei zu klären, wie wir das organisieren und zwar kooperativ und wenn uns das gelingt, dann können wir eine Vereinbarung treffen, dann wäre für eine Räumung ja auch keine Erfordernis mehr gegeben, die würde ich dann zurückziehen.

Dahl:

Aber Sie haben die Verantwortung der Polizei übertragen? Die schickt jetzt wohl Verhandlungsteams in die Schule, um die Flüchtlinge zu bitten, das Gebäude freiwillig zu verlassen.

Panhoff:

Das ist formal richtig, aber die Polizei hat mir auch zugesagt, dass sie jetzt nicht irgend eine Aktion startet, wenn die nicht mit dem Bezirk abgesprochen ist, es sei denn, dass da jetzt Gründe vorliegen, wie sonst auch, wenn Feuer ausbrechen würde, dann müssten die reingehen, dann würden die auch reingehen, aber ansonsten ist die Vereinbarung schon die, dass wir gucken, dass wir das friedlich zu Ende bekommen und diese Zeit noch haben, die ist allerdings nicht sehr lange.

Dahl:

Nun, nicht sehr lange? Wie schnell wird die Polizei räumen, womit rechnen Sie?

Panhoff:

Also, ich hoffe, dass wir am heutigen Tage zu einer Vereinbarung kommen, mit den Flüchtlingen, mit den Refugees in der Schule, sodass wir Licht im Tunnel haben und dann ist das eine Sache von Stunden, dann zu sagen, gut, wir haben jetzt sozusagen ein friedvolles Ende gefunden und alle polizeilichen Maßnahmen können dann entsprechend beendet werden.

Dahl:

Sie haben ja sogar gesagt, wenn jemand verletzt wird, treten Sie zurück. Bleiben Sie dabei?

Panhoff:

Also, wenn sich jemand den kleinen Finger bricht, weil er jetzt durchs Treppenhaus rennt, dann trete ich nicht zurück. Aber Sie wissen, welche Drohung ausgesprochen wurde, seitens der Flüchtlinge, die sich also vom Dach stürzen wollen. Das ist eine Sache, die kann ich dann hinterher nicht mehr vertreten, aber, sagen wir mal, kleine Geschichten gibt es ja immer mal, das ist sicherlich jetzt nicht, was ich meine.